Now That’s What I Call Quite Good …

Natürlich entspricht Lykke Li irgendwo auch dem typischen Klischee der süßen singenden (wenn auch nicht blonden) Schwedin. Doch vom (durchaus auch selbst gewählten) Image sollte man sich nicht täuschen lassen, denn mit Girlie-Pop hat die Musik von Schweden’s neuestem Bewerber um die Pop-Weltherrschaft eher herzlich wenig zu tun.

Nachdenklich, grüblerisch, zart aber auch selbstbewusst kommt die 25-jährige Wahl-New Yorkerin daher. Ihre schwedische Heimat, geboren wurde sie in der aus den Wallander-Krimis bekannten Stadt Ystad, war ihr zu eisig. Nicht nur klimatisch gesehen. Mit ihren Eltern, einem Künstlereheparr, war sie viel auf Reisen – Portugal, Indien, Kalifornien. Und irgendwann blieb sie dann in New York hängen.

Lykke Li Zachrisson (Lykke Li ist der Vorname, Zachrisson der Familienname) schrieb Gedichte, nahm Ballett- und Klavierstunden, versuchte sich als Designerin und auch sehr ernsthaft an der Malerei (die geschmackvollen CD-Booklets gestaltet sie übrigens selbst).

Für mich war es immer klar, dass ich später etwas mir Kunst machen möchte. Das Leben ist eben ein Mysterium, dem man am ehesten mit Kunst nahe kommt. Als ich dies erkannte war es für mich offensichtlich wie meine Bestimmung aussieht. Ich habe überlegt ob es Mode oder Malerei sein könnte, bis ich mich für die Musik als Ausdrucksform entschied.
(Lykke Li im Interview mit Musikbase, Juli 2008)

Das erste, in 2008 auf ihrem eigenem Label veröffentlichte Album „Youth Novels“ hatte noch eher Insiderstatus, war aber in Schweden und UK schon recht erfolgreich. Nicht nur die tüftlerische Produktion sondern vor allem ihre zerbrechliche Stimme erinnert ein wenig an Kate Bush – ein Vergleich mit dem die junge Schwedin aber durchaus gut leben kann:

Ich wünsche mir manchmal, ich hätte die Stimme einer schwarzen Frau. Aber ich bin nun mal ein weißes Mädchen aus Schweden. Und ich finde diese Unterstellung, ich könne nicht ausdrucksvoll singen, weil meine Stimme so zerbrechlich klingt, einfach fantasielos. Kate Bush hatte auch eine sehr kindliche Stimme, und sie war sehr emotional. Sollen die Leute sagen, was sie wollen.
(Lykke Li im Interview bei Zeit Online, September 2008)

Ein Jahr später kam ihre Karriere mit ihrem Song „Possibility“, den sie für den Soundtrack der Vampiertrilogie Twilight geschrieben hatte, dann in Schwung, vor allem auch in Ihrer neuen Wahlheimat.

Das dieser Tage veröffentlichte zweite Album „Wounded Rhymes“ hat daher auch ein sehr gesteigertes Medieninteresse zur Folge. Doch das Extrovertierte und Laute am Musikgeschäft liegt Lykke Li nun einmal gar nicht.

Und auch an den Erfolg mag sich die eher schüchterne Musikerin noch nicht gewöhnen. Er macht ihr sogar manchmal Angst, wie sie im Interview bei Spin bekennt:

My whole world is crazy right now. I could just sit here and tell you „I’m so grateful to be here. I love my life.“ But it’s better to be honest. Anyway, it’s all a big blur.
(Lykke Li im Interview zur Coverstory im Spin-Magazin, März 2011)

Der ätherische Elektropop-Sound der Musik von Lykke Li wird ergänzt durch eine eher ungewöhnliche Instrumentierung: Flöte, Cembalo, Schellenringe, Kastagnetten …

Alle guten Songs wirken schon allein durch Klatschen und Gesang, sagt die Schwedin. Und die Stimme vermittelt ihre nachdenklich-traurige Gefühlswelt ausserordentlich gut.

I’m always looking for something raw and pure. I want to create a direct, intense, intimate feeling; a vision which is uncomplicated but with a depth.
(Lykke Li in ihrem Profil bei Facebook)

„Wounded Rhymes“ ist eine tolle Mischung aus stylischem Dance-Pop und zerbrechlich-zarten Balladen geworden. Und wer weiß – vielleicht wirklich „The next big thing 2011“.

Mein Video der Woche heute von Lykke Li’s superbem Album „Wounded Rhymes“ die Single „Sadness is a Blessing“ – Lykke Li und Stellan Skarsgård wunderbar in Szene gesetzt von Tarik Saleh.

Auch heute gibt es natürlich wieder eine Zugabe, nämlich die zweite Singleauskopplung vom Album: „I Follow Rivers“. Und das gleich zweimal.

Zuerst das offizielle Video, wiederum gedreht von Tarik Saleh. Und danach folgt noch eine unplugged Version, aufgenommen für den Zeit-Online Rekorder, kurz vor ihrem Auftritt Mitte Mai im Berliner Astra Kulturhaus. Nur Klatschen und Gesang eben … und etwas Gitarre.

When you’re dancing, you free your emotions and say things you can’t with words. You’d never tell how shy I am if you saw how I dance…   – Lykke Li

Noch einige Nachträge:

Noch mehr schöne Videos von und mit Lykke Li gibt’s in ihrem Vimeo-Profil zu sehen.

Ebenfalls einen Klick wert ist eine interaktive Weltreise auf den Spuren der Schwedin. Auf dieser Webseite zum neuen Album kann man mitmachen. Am Ende der Reise erwartet uns dann ein „exclusive fan gig on the moon“.

Und schließlich: Ystad ist gar nicht so düster oder eisig (wie man vielleicht nach den Romanen oder Filmen nach Henrik Mankell meinen könnte), sondern eine hübsche Kleinstadt mit Hafen, einer schönen Einkaufsstraße in der Altstadt – und vielen tollen Sandstränden in der Umgegend. Im Sommer definitiv eine Reise wert.

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